Das Wichtigste in Kürze
- Ein gutes Leistungsverzeichnis beschreibt Umgebung, Schutzdauer und Bauteilbereiche, bevor es Produkte nennt.
- Reinheitsgrad, Rauheit sowie Staub- und Salzgrenzwerte müssen messbar festgelegt sein.
- Sollschichtdicken und das Messverfahren nach DIN EN ISO 19840 gehören ausdrücklich ins LV.
- Nebenleistungen wie Einhausung, Klimatisierung und Entsorgung verursachen ohne eigene Positionen häufig Nachträge.
- Ein vereinbarter Prüf- und Dokumentationsplan macht die Abnahme objektiv.
Korrosionsschutzarbeiten werden oft mit wenigen Zeilen ausgeschrieben: „Stahlbau strahlen und beschichten nach DIN EN ISO 12944.“ Was nach Klarheit klingt, lässt in Wahrheit fast alles offen. Bieter kalkulieren dann mit unterschiedlichen Annahmen, die Angebote sind kaum vergleichbar, und auf der Baustelle beginnen die Diskussionen.
Ein durchdachtes Leistungsverzeichnis schützt Auftraggeber und Auftragnehmer gleichermaßen. Es beschreibt eindeutig, was geschuldet ist, wie geprüft wird und wann die Leistung als erbracht gilt. Die folgenden neun Punkte helfen Ihnen, eine Ausschreibung für Korrosionsschutz so aufzubauen, dass sie wirtschaftliche Angebote und eine saubere Ausführung ermöglicht.
Grundlagen: Was vor den Positionen feststehen muss
Bevor Sie einzelne Positionen formulieren, sollten die technischen Rahmenbedingungen geklärt sein. Sie bilden die Vorbemerkungen des Leistungsverzeichnisses und bestimmen alle späteren Festlegungen.
1. Umgebung und Korrosivität je Bauteilbereich
Legen Sie die Korrosivitätskategorien C1–CX nach DIN EN ISO 12944-2 fest, und zwar getrennt nach Bauteilbereichen. Eine Hallenkonstruktion innen benötigt einen anderen Schutz als die Außenstützen oder ein Bereich mit Kondensat. Für eingetauchte oder erdberührte Bauteile gelten die Immersionskategorien Im1 bis Im4.
2. Angestrebte Schutzdauer
DIN EN ISO 12944-1 unterscheidet niedrige, mittlere, hohe und sehr hohe Schutzdauer. Die Schutzdauer beschreibt die Zeit bis zur ersten größeren Instandsetzung und ist keine Gewährleistungsfrist. Sie beeinflusst Systemaufbau und Schichtdicke unmittelbar und gehört deshalb in jede Ausschreibung.
3. Gültige Regelwerke und Fassungen
Nennen Sie die anzuwendenden Normen und Vertragsbedingungen mit Ausgabestand. Im Bauvertrag nach VOB kommt die einschlägige Allgemeine Technische Vertragsbedingung für Korrosionsschutzarbeiten hinzu, bei Brücken häufig die ZTV-ING mit den TL/TP-KOR-Stahlbauten. Projektspezifische Abweichungen sollten ausdrücklich benannt werden.
Bei Instandsetzungen kommt ein weiterer Baustein hinzu: die Bestandsaufnahme. Ohne Kenntnis von Altbeschichtung, Haftung, Rostgrad und möglicher Schadstoffbelastung lässt sich weder der Umfang der Vorbereitung noch das passende System sicher beschreiben. Lassen Sie den Bestand deshalb vor der Ausschreibung untersuchen und legen Sie die Ergebnisse den Vergabeunterlagen bei. Bieter können dann realistisch kalkulieren, und Sie vermeiden Überraschungen nach dem Entfernen der ersten Flächen.
Oberflächenvorbereitung messbar beschreiben
4. Reinheitsgrad, Rauheit, Staub und Salze
Die Preparación de la superficie entscheidet maßgeblich über die Lebensdauer des Schutzes. Formulierungen wie „sorgfältig entrosten“ sind nicht prüfbar. Verwenden Sie stattdessen genormte Kennwerte.
- Reinheitsgrad nach DIN EN ISO 8501-1, etwa Sa 2½ für gestrahlte Flächen, bei Teilausbesserung ergänzend DIN EN ISO 8501-2
- Vorbereitungsgrad von Schweißnähten und Kanten nach DIN EN ISO 8501-3, etwa P2 oder P3
- Rauheitsprofil nach DIN EN ISO 8503, abgestimmt auf das Datenblatt des Beschichtungssystems
- Staubprüfung nach DIN EN ISO 8502-3 mit Angabe der zulässigen Menge und Größenklasse
- Grenzwert für lösliche Salze, bestimmt nach DIN EN ISO 8502-6 und -9
Gerade der Salzgrenzwert wird häufig vergessen. Bei Bauteilen in Küstennähe, nach Lagerung im Freien oder bei Instandsetzungen ist er aber entscheidend. Ein fester, im LV genannter Wert verhindert spätere Diskussionen über die Notwendigkeit von Nachwaschgängen.
Beschichtungssystem und Schichtdicken
5. Systemaufbau und Sollschichtdicke
Beschreiben Sie das System mit Grund-, Zwischen- und Deckbeschichtung, Bindemitteltyp und Sollschichtdicke je Schicht und gesamt. Ob Sie ein konkretes Produktsystem nennen oder eine produktneutrale Beschreibung mit Gleichwertigkeitsnachweis wählen, hängt vom Vergaberecht und vom Projekt ab. Bei öffentlichen Aufträgen ist eine produktneutrale Ausschreibung die Regel. In beiden Fällen sollte ein Nachweis der Eignung gefordert werden, etwa über Prüfungen nach DIN EN ISO 12944-6 oder eine projektspezifische Selección de materiales.
6. Messverfahren und Annahmekriterien
Für die Trockenschichtdicke sollte das LV das Messverfahren nach DIN EN ISO 2808 und den Probenahmeplan nach DIN EN ISO 19840 benennen. Dort sind auch die Annahmekriterien beschrieben: Der Mittelwert muss die Sollschichtdicke erreichen, Einzelwerte dürfen nur begrenzt darunter liegen. Ergänzen Sie eine Obergrenze für die Schichtdicke, denn auch zu dicke Schichten können zu Rissen oder Haftungsproblemen führen.
Ausführung, Nebenleistungen und Klima
7. Baustellenbedingungen und Nebenleistungen
Ein großer Teil der Nachträge entsteht durch Leistungen, die im LV nicht als eigene Positionen auftauchen. Prüfen Sie Ihre Ausschreibung deshalb auf folgende Punkte.
- Gerüste, Hubarbeitsbühnen oder Besichtigungseinrichtungen mit Vorhaltezeiten
- Einhausung, Entfeuchtung und Beheizung für wetterunabhängiges Arbeiten
- Schutz angrenzender Bauteile, Anlagen und Verkehrsflächen
- Erfassung, Analyse und Entsorgung von Strahlschutt und Altbeschichtung
- Arbeitsschutzmaßnahmen bei schadstoffhaltigen Altbeschichtungen
- Bauzeitliche Einschränkungen wie Sperrzeiten, Nachtarbeit oder laufender Betrieb
Legen Sie außerdem die Klimagrenzen für die Ausführung fest: Mindestabstand der Oberflächentemperatur zum Taupunkt, maximale relative Luftfeuchte sowie Temperaturgrenzen laut Datenblatt. Diese Angaben schaffen eine objektive Grundlage, wenn Arbeiten witterungsbedingt unterbrochen werden müssen.
Sinnvoll ist auch, Anforderungen an die Qualifikation des Personals zu formulieren. Dazu zählen Nachweise über geschultes Fachpersonal für Strahl- und Beschichtungsarbeiten sowie eine qualifizierte Bauleitung. Für die Prüfung werden häufig Inspektoren mit anerkannter Ausbildung, etwa nach FROSIO, eingesetzt. Solche Anforderungen sollten verhältnismäßig sein und zum Projekt passen, damit der Wettbewerb nicht unnötig eingeschränkt wird.
Prüfung, Dokumentation und Abnahme
8. Prüfplan und Referenzflächen
Ein Prüfplan legt fest, wer wann was prüft. DIN EN ISO 12944-7 und -8 geben dafür einen Rahmen, einschließlich der Anlage von Referenzflächen. Dazu gehören Klimamessungen, die Kontrolle der Oberflächenvorbereitung vor jeder Schicht, Schichtdickenmessungen und Haftprüfungen etwa nach DIN EN ISO 4624 oder 2409. Klären Sie, ob eine unabhängige Control de calidad durch Dritte vorgesehen ist und wer die Kosten trägt.
9. Dokumentation und Übergabe
Fordern Sie eine vollständige Dokumentation: Chargennummern der Beschichtungsstoffe, Klimaprotokolle, Messprotokolle, Fotodokumentation und Lage der Referenzflächen. Diese Unterlagen sind später die Basis für Inspektionen, Gewährleistungsfragen und Instandsetzungen. Ohne sie lässt sich nach einigen Jahren kaum noch nachvollziehen, was tatsächlich ausgeführt wurde. Vereinbaren Sie außerdem ein Format für die Übergabe, etwa digitale Protokolle mit Bauteilbezug, damit die Daten in die eigene Instandhaltungsplanung übernommen werden können. Auch Hinweise zu Pflege, Inspektionsintervallen und zugelassenen Ausbesserungsmaterialien gehören in die Übergabeunterlagen.
| LV-Baustein | Typischer Fehler | Bessere Formulierung |
|---|---|---|
| Preparación de la superficie | „Sorgfältig entrosten“ | Sa 2½ nach DIN EN ISO 8501-1, Rauheit nach Datenblatt |
| Schichtdicke | „Ausreichend beschichten“ | Sollschichtdicke je Schicht, Messung nach DIN EN ISO 19840 |
| Klima | Keine Angabe | Taupunktabstand, Feuchtegrenze, Temperatur laut Datenblatt |
| Prüfung | „Nach Norm“ | Prüfplan mit Prüfpunkten, Verantwortlichen und Referenzflächen |
Fazit
Eine gute Ausschreibung für Korrosionsschutz ist messbar, vollständig und eindeutig. Sie beschreibt zuerst Umgebung und Schutzdauer, dann Oberflächenvorbereitung, System und Schichtdicken, und schließt mit Nebenleistungen, Prüfplan und Dokumentation. Wer diese neun Punkte abdeckt, erhält vergleichbare Angebote, weniger Nachträge und eine Abnahme, die sich auf Messwerte stützt statt auf Meinungen.
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Häufige Fragen
Kurze Antworten auf die Fragen, die uns zu diesem Thema am häufigsten gestellt werden.
Wir beraten Sie unverbindlich zu Ihrem Projekt – persönlich und fachkundig.
Projekt anfragen+49 (0)40 756 667 32Nein. DIN EN ISO 12944 ist eine Normenreihe mit vielen Optionen und lässt Raum für unterschiedliche Auslegungen. Das LV muss konkrete Festlegungen treffen, etwa Korrosivitätskategorie, Schutzdauer, Reinheitsgrad, Systemaufbau, Schichtdicken und Prüfplan. Erst dann sind Angebote vergleichbar.
Bei öffentlichen Aufträgen ist eine produktneutrale Ausschreibung die Regel, Produktnennungen sind nur mit dem Zusatz „oder gleichwertig“ möglich. Dann müssen die Gleichwertigkeitskriterien klar beschrieben sein. Bei privaten Auftraggebern kann ein vorgegebenes System Vergleichbarkeit schaffen, schränkt aber den Wettbewerb ein.
Nennen Sie die Sollschichtdicke je Schicht und für das Gesamtsystem sowie das Messverfahren nach DIN EN ISO 2808 und den Probenahmeplan nach DIN EN ISO 19840. Ergänzen Sie eine Obergrenze, weil zu dicke Schichten ebenfalls zu Schäden führen können. So ist die Abnahme objektiv messbar.
Häufig fehlen Positionen für Gerüste, Einhausung, Entfeuchtung, Schutz angrenzender Bauteile, Entsorgung von Strahlschutt und Arbeitsschutz bei Schadstoffen. Diese Leistungen fallen trotzdem an und führen dann zu Nachträgen. Eigene Positionen schaffen Kostentransparenz.
Lösliche Salze unter einer Beschichtung können osmotische Blasen und Unterrostung verursachen. Ohne festgelegten Grenzwert ist unklar, ob und wie oft nachgewaschen werden muss. Ein im LV genannter Wert mit Prüfverfahren nach DIN EN ISO 8502-6 und -9 schafft Klarheit für alle Beteiligten.